Und plötzlich ist sie wieder da. Ein kleiner Punkt erst. Ihre Bewegung rhythmisch, athletisch. Sie kommt näher und ist wieder ganz bei mir. Sie mag meine HOCHS und meine TIEFS. Und ich mag es, ihr zuzuschauen.

 
 

 

Die PLANNERALM, denkt ihr jetzt vielleicht, was erzählt sie uns? Die besteht doch nur aus Stein. Das ist es schließlich, woraus Berge nun einmal geformt sind. Das stimmt natürlich. Doch STEIN LEBT.

Und ich kann euch versprechen: STEIN SPÜRT. Ich funkle und schimmere gerne im Licht – und das nicht nur, weil ich zum Großteil aus Glimmerschiefer bestehe. Ich bin – ja, so ist es – von wahrlich feinkörniger Natur. Ein wenig SPEZIELL sogar. Warum sonst schreiben mir wohl Geologen, also Damen und Herren die sich ausgiebig mit meiner Art beschäftigen, eine eigene Bezeichnung zu:

 

DEN PLANNERTYPUS.

 

 

Was für ein Typ ich bin? Generell RUHIG und UNAUFGEREGT, würde ich sagen. Ich mag es eher entspannt gesellig als trubelig laut. Ansonsten: Ich möchte nicht mit meinem Äußeren prahlen, aber unschön anzuschauen bin ich nicht. Ich habe halt Charakter und das zeigt sich in den felsigen Furchen, die sich durch meine weichen Almböden ziehen. Und ich dufte. Nach Kräutern und Latschen. Nach RUHE.

 

 

Und das mag Sandra an mir. Das SPÜRE und SEHE ich ihr an. Ich kenne sie von kurzen Kindesbeinen an. Früher kam sie zum SKIFAHREN und WANDERN – bis sie eines Tages mit leichten Schuhen dastand, zu mir aufblickte und loslief. Seitdem zieht sie als Trail Runnerin leichtfüßig athletisch meine Hänge empor. „G’SCHMEIDIG“, raunte ein Mann seinem Wanderkumpan einmal zu und ich konnte ihm nur Recht geben.

 

 

Wenn sie läuft, dann schlüpft das KIND in ihr hervor. Sie zweigt vom Weg ab, spielt mit meinem Untergrund, springt über die Steine, schlägt Haken wie die Hasen. Sie atmet tief ein, wenn der Wind wieder einen Stoß Plannerluft in ihre Richtung trägt. An meinen Steilstücken beschleunigt sie noch einmal richtig und treibt ihren Puls mit den HÖHENMETERN aufwärts. Und dann läuft sie aus an meinem SEE, bleibt stehen, schöpft aus dem klaren Wasser, trinkt und schaut. Zu Sandra habe ich eine besondere Verbindung. Sie kommt zu Zeiten, wenn andere noch oder schon wieder im Tal sind. Sie genießt die EINSAMKEIT. Obwohl, nein, ich glaube ich darf sagen: Sie genießt unsere ZWEISAMKEIT. Wenn sie oben am Grat, meinem Rücken, entlangläuft, mich von Gipfel zu Gipfel umrundet, so fokussiert und zugleich so leicht, dann ist sie ganz bei sich und ganz bei mir.

 

 

Plannerknot, Seekarspitz, Hochrettelstein, Schoberspitz. Sandra kennt mich. Kennt meine HOCHS wie meine TIEFS, mag meine AUFS und meine ABS. Doch sie zieht es auch hinaus in die Welt – und dabei meist hinauf. Ihr Freund Christoph ist angehender Bergführer und gemeinsam bilden sie Seilschaften. Sie besteigen, klettern anspruchsvolle Routen wie am Zinalrothorn in Zermatt oder am Teufelsgrat in Chamonix. Sie träumen vom Alpamayo in Peru.

 

 

 

Bin ich eifersüchtig? Nein. Doch manchmal werde ich ein wenig fernwehmütig. Ich würde die GROSSEN BRÜDER dieser Welt schon auch gerne einmal besuchen, ihnen sagen, dass es mich stolz macht, dass sie bei mir ihr Berghandwerk gelernt hat. Am Ende des Tages aber kann ich die Gewissheit genießen, dass sie stets wieder zu mir zurückkehren wird. Als kleiner Punkt mit rhythmischem Schritt und klarem Ziel. Ich bin eben doch ihr Plannertypus.

 

Danke, Sandra. Danke, Planneralm.

GANZ BEI MIR SEIN.
MACHT SINN.

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