MIT STARKEN WURZELN

… standhaft, stark und freigiebig.

Vor mehr als hundert Jahren hatte jemand den großartigen Einfall, MICH am GLITSCHNERHOF in Aigen im Ennstal ganz in der Nähe des Putterersees zu PFLANZEN.

Ich nehme an, es waren die damaligen Bauersleut. Vielleicht dachten sie daran, mich als LEBENSBAUM ins Zentrum ihres HOFES zu setzen – für sich selbst, ihre Kinder, Enkel und Urenkel. Wie ihnen diese Idee aufgegangen ist …

 

 

Es war die richtige Wahl, damals. Der Platz ist perfekt, die Sonneneinstrahlung, der Boden, die Menschen. Ich habe es besonders gut hier. Ich bin TIEF VERWURZELT in dieser Erde und unverrückbar eingepflanzt in den Herzen meiner Familie, ihren Gästen und Nachbarn. Das spüre ich in ihren BERÜHRUNGEN und sehe es in ihren Blicken. Und ich höre es. Wenn die Erwachsenen den um mich tobenden Kindern zurufen, ob sie nicht auf den nahen Spielplatz wollen – und die unverrückbare Antwort sofort zurückschießt: „NEIN, WIR SPIELEN LIEBER HIER.“ Das sollen sie. Ich habe sie sehr gerne um mich.

An meinem Fuße wird gegrillt und gegessen und auf der Bank in meinem Schatten werden Geschichten erzählt, Aktuelles diskutiert und überlegt, was es zu tun gibt. Aus diesen Gesprächen erfahre ich, was alles passiert da draußen in der Welt – und das scheint viel zu sein. Oft schnaufen die Menschen dann am Ende durch, nicken und betonen, wie ruhig und friedlich es doch hier sei.

 

Ich stehe still, aber wachse stetig.
Ich bin ein kräftiger Baum, stark und standhaft.

 

Inzwischen bin ich ein großes ZUHAUSE geworden. Aus der Krone pfeifen die Vögel, die Eichhörnchen turnen durch meine Äste und die beiden Katzen schlüpfen in meine Löcher, wo sie auf Beute lauern. Meist machen sie jedoch erst einmal ein Schläfchen.

 

Ich scheine eine Ruhe auszustrahlen.

 

Das flüstert mir auch MONIKA manchmal zu. Sie ist die Bäuerin hier am GLITSCHNERHOF und ich habe das Gefühl, dass sie mich auf eine ganz spezielle Art wahrnimmt. Sie beobachtet mich, berührt mich und sie macht aus mir etwas Besonderes – zumindest aus meinen FRÜCHTEN. Monika ist eine leidenschaftliche und – so höre ich immer wieder – hoch talentierte ZUCKERBÄCKERIN.

 

 

Monika sammelt jedes Jahr fleißig die WALNÜSSE, die noch nicht die Eichhörnchen stibitzt haben. Körbeweise trägt sie sie in die Küche. Sie knackt eine nach der anderen, holt den weichen Kern aus den harten Schalen – etwas, das sie übrigens auch bei manch einem ihrer Urlaubsgäste macht …

Dann verarbeitet sie meine Frucht in ihre legendären NUSSKIPFERL. Wenn der Duft aus der Küche in der Luft liegt, kommen sie ALLE an. Ja wirklich alle. Familie, Freunde, Gäste, schwärmen aus allen Himmelsrichtungen heran.

 

 

Ich LIEBE dieses gesellige Treiben und es macht mich stolz, dass ich Teil des GENUSSES bin. Jeder hier mit Kipferl in der Hand (bzw. im Mund) weiß, wo die Füllung herkommt. Von ihrem Nussbaum mit seinen über hundert kräftigen Jahresringen.

 

 

Ja, diesen Flecken haben sie einst GUT für mich AUSGESUCHT. Hier gehöre ich hin, hier fühle ich mich wohl. Die Sonne und der Boden werden mich weiter stärken. Ich weiß, für wen ich besonders gerne wachse. Und ich denke, sie wissen, spüren und schmecken es auch.

 

Danke, Monika.

EINANDER WERTSCHÄTZEN.
MACHT SINN.

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